Kolumne Toxische Mitarbeiter: Bloß nicht wegsehen

Eine einzige Person reicht, um die Stimmung im ganzen Team zu vergiften – und den Betrieb zu lähmen. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erklärt, warum Loyalität zum Team manchmal bedeutet, sich von jemandem zu trennen, und gibt drei Tipps für eine starke Arbeitgebermarke.

Wenn einer am Tau in die falsche Richtung zieht, kommt der ganze Betrieb nicht voran. Warum Führungskräfte toxisches Verhalten nicht ignorieren dürfen. - © Yevhen - stock.adobe.com

Heute möchte ich ein Gedankenspiel mit Ihnen machen. Ein Unternehmen ist wie ein Kahn auf dem Wasser. Stabil, verlässlich, schwer und nur dann in Bewegung, wenn alle an einem Tau ziehen, und zwar in die gleiche Richtung. 

In meinen Workshops höre ich so einiges aus den Betrieben: Auf der einen Seite stehen Menschen, die mit voller Kraft ziehen. Sie geben Energie, sie wollen vorwärtskommen, sie haben verstanden, wofür der Kahn steht. Und dann gibt es die anderen. Die, die das Tau nur halbherzig anfassen. Oder die, die gar nicht mit anfassen. Schlimmer noch: Manche ziehen sogar in die entgegengesetzte Richtung. 

Das Ergebnis ist absehbar. Der Kahn kommt nicht voran. Die Mannschaft wird müde. Frust macht sich breit. 

Und hier beginnt die eigentliche Verantwortung der Führung. Wer glaubt, man könne toxisches Verhalten einfach ignorieren, macht einen fatalen Fehler. Eine einzige Person reicht, um die Stimmung im ganzen Team zu vergiften. Wer ständig zu spät kommt, jede Entscheidung anzweifelt, die Motivation der anderen untergräbt oder gar absichtlich querarbeitet, sorgt dafür, dass am Ende niemand mehr mit voller Kraft zieht. 

Die Wahrheit ist unbequem: Wer den Mut nicht hat, sich solchen Menschen klar entgegenzustellen, schadet dem eigenen Unternehmen. Loyalität zum Team heißt manchmal auch, jemanden zu verabschieden. Doch bevor es so weit kommt, braucht es klare Gespräche und die Chance zur Veränderung. Wer dann immer noch nicht am Tau zieht, gehört nicht an Bord. Punkt. 

Eine starke Arbeitgebermarke lebt davon, dass klar ist, worum es geht und dass das Tau sichtbar ist. Auch dass die Richtung stimmt und dass alle, die Teil der Mannschaft sind, auch bereit sind, mit anzupacken. Wer das nicht will, nimmt dem Unternehmen jede Chance, stabil im Fahrwasser zu bleiben. 

Kathrin Post-Isenberg
Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg leitete früher einen eigenen Betrieb in Siegburg. Mit ihrer Praxiserfahrung berät sie heute Handwerksunternehmen dabei, sich erfolgreich als Arbeitgebermarke zu etablieren. - © Markus Zielke

3 Tipps für Ihre Arbeitgebermarke

  1. Das Tau klar definieren 
    Machen Sie unmissverständlich deutlich, wofür Ihr Unternehmen steht. Nur wer weiß, welches Ziel es gibt, kann auch bereit sein, die Hände fest ins Tau zu schlagen. Wenn Sie Ihr Tau nicht selbst definieren können, lassen Sie sich dabei unterstützen. Berater der Handwerkskammer oder externe Beratungsangebote unterstützen Sie dabei. Wer sein Tau knüpfen will, braucht auch etwas Mut. 
  2. Toxisches Verhalten nicht dulden 
    Jede Form von Gegenziehen schwächt das Ganze. Sprechen Sie es an, ziehen Sie Konsequenzen. Schweigen schützt niemanden, es zerstört nur das Vertrauen derer, die loyal sind. Und warten Sie nicht zu lange. Jede weitere solche Situation schwächt das Team.
  3. Mut zur Trennung haben 
    Führung bedeutet auch, Menschen gehen zu lassen, die den Kahn sabotieren. Damit schützen Sie die, die wirklich mitziehen wollen und senden ein klares Signal nach innen und außen. Auch das gehört zur Verantwortung eines Arbeitgebers. Er oder sie ist der Kapitän des Kahns und muss sich für eine verlässliche und gute Mannschaft entscheiden. 

Fazit

Ein Kahn fährt nicht von allein. Er braucht Menschen, die gemeinsam am Tau ziehen. Wer das nicht tut, steht den anderen im Weg. Eine starke Arbeitgebermarke entsteht dort, wo die Führung den Mut hat, Klarheit zu schaffen – selbst wenn es bedeutet, sich von toxischen Kräften zu trennen. Nur so bleibt das Unternehmen in Bewegung. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.